ChatGPT entwickelt sich rasant weiter und wird künftig nicht nur ein Tool zur Recherche, Contenterstellung und Produktivität, sondern auch ein neuer Werbekanal sein. Denn OpenAI testet aktuell die Integration von Anzeigen direkt in ChatGPT, um den Zugang zur KI langfristig für alle Nutzer bezahlbar zu halten, ohne die Qualität der Antworten zu beeinträchtigen.
Was das konkret für Unternehmen bedeutet, wie Werbung in ChatGPT funktionieren könnte, welche Abrechnungs- und Biddingmodelle realistisch sind und für welche Geschäftsmodelle sich dieser Kanal lohnt, schauen wir uns in diesem Artikel genauer an.
Inhaltsverzeichnis
Was bedeutet Werbung in ChatGPT?
OpenAI plant, Werbeanzeigen künftig klar getrennt von den eigentlichen KI-Antworten auszuspielen. Die Inhalte der Antworten selbst sollen nicht durch Werbekunden beeinflusst werden. Anzeigen werden deutlich gekennzeichnet und erscheinen kontextbezogen im Chat – nicht als klassische Banner.
Wichtig dabei:
- Anzeigen werden zunächst bei kostenlosen und günstigen Abomodellen ausgespielt
- Bezahlte Pro-, Business- und Enterprise-Accounts bleiben werbefrei
- Nutzerdaten werden nicht verkauft
- Personalisierung ist optional und kann deaktiviert werden
- Keine Werbung für Minderjährige oder sensible Themen
Kurz gesagt: OpenAI versucht, Monetarisierung und Nutzervertrauen in Einklang zu bringen.
Kooperation mit Shopify: Commerce direkt aus dem Chat
Besonders spannend für den E-Commerce-Bereich ist die geplante Kooperation zwischen ChatGPT und Shopify. Ziel ist es, Produkte nicht nur zu bewerben, sondern direkt aus dem Chat heraus kaufbar zu machen.
Das bedeutet:
- ChatGPT empfiehlt Produkte kontextuell im Gespräch
- Der Kaufprozess läuft im Hintergrund über Shopify
- Der Nutzer verlässt den Chat nicht zwingend
Kostenmodell: Werbung + Umsatzbeteiligung
Für Händler ist dabei wichtig zu wissen:
Neben den regulären Shopify-Gebühren fällt zusätzlich eine Umsatzbeteiligung von 4 % pro Verkauf an ChatGPT/OpenAI an.
Diese 4 % kommen on top zu den Werbekosten, die für die Ausspielung der Ads anfallen.
Für Online-Shops ergibt sich damit folgendes Setup:
- Werbekosten (z. B. CPC oder CPM)
- Shopify-Gebühren
- 4 % Revenue-Share an ChatGPT pro erfolgreichem Sale
- 4 % Revenue-Share an ChatGPT pro erfolgreichem Sale
Das Modell erinnert stark an eine Mischung aus Performance-Marketing und Marktplatz-Logik.
Wie könnten Ads in ChatGPT funktionieren?
Da ChatGPT keine klassische Website ist, funktioniert Werbung hier anders als bei Google oder Meta. Im Fokus steht Kontext statt Nutzerprofil.
Beispiel: „Welche Laufschuhe sind gut für Anfänger?“
→ Anzeige oder Produktempfehlung für passende Modelle
Mögliche Umsetzungen:
- Kontextbasierte Produktempfehlungen
- Anzeigen unterhalb oder neben Antworten
- Kauf-CTAs mit direkter Shopify-Integration
- Affiliate-ähnliche Empfehlungen
Der große Unterschied zu klassischen Ads: Der Nutzer befindet sich bereits in einer aktiven Problemlösungs-Situation.
Welche Abrechnungs- und Biddingmodelle sind denkbar?
Auch wenn OpenAI noch keine finalen Modelle veröffentlicht hat, sind folgende Varianten realistisch:
CPC (Cost-per-Click) im Auktionsmodell
Ähnlich zu Google Ads:
- Werbetreibende bieten auf bestimmte Themen oder Intentionen
- Anzeigen werden nach Relevanz + Gebot ausgespielt
- Abrechnung nur bei Klick
Besonders interessant für performanceorientierte Advertiser.
CPM (Cost-per-Impression)
- Abrechnung pro 1.000 Einblendungen
- Hoher Kontext-Fit, aber geringere Interaktion
- Denkbar für Branding-Kampagnen
CPA / Umsatzbeteiligung (besonders mit Shopify)
- Bezahlung nur bei erfolgreichem Kauf
- Zusätzlich zur 4 %-Provision möglich
- Sehr attraktiv für risikoaverse Händler
Pauschale Platzierungen / Sponsoring
- Exklusive Sichtbarkeit in bestimmten Themenbereichen
- Wahrscheinlich eher für große Marken
Realistisch ist eine Hybrid-Logik, je nach Branche und Use Case.
Für wen lohnen sich ChatGPT Ads besonders?
Online-Shops & E-Commerce
Sehr hohes Potenzial
- Produktempfehlungen direkt im Kauf-Kontext
- Hohe Kaufintention
- Shopify-Integration ermöglicht schnelle Conversion
Wichtig: Margen müssen die zusätzlichen 4 % Revenue-Share verkraften.
B2B-Dienstleister & Softwareanbieter
Selektiv sinnvoll, wenn es ein “Produkt” gibt.
- Besonders bei erklärungsbedürftigen Lösungen
- z. B. „bestes CRM für KMU“ oder „SEO-Tool für Online-Shops“
- Weniger Masse, aber hohe Lead-Qualität
Marken & erklärungsbedürftige Produkte
- Früher Touchpoint in der Customer Journey
- Noch bevor klassische Google-Suchen stattfinden
Nischenanbieter
- Long-Tail-Fragen
- Wenig Wettbewerb, hoher Kontext-Fit
Hypothese: ChatGPT Ads werden vor allem für Online-Shops, D2C-Brands und lösungsorientierte B2B-Anbieter mit einem Produkt relevant sein. Reine Awareness-Marken ohne klaren Use Case werden es schwerer haben, den ROI sauber zu messen.
Herausforderungen, die man nicht ignorieren sollte
- Messbarkeit: Aktuell ist unklar, wie tiefgehend Tracking und Attribution sein werden
- Kostenstruktur: Werbekosten + Shopify-Gebühren + 4 % Umsatzbeteiligung
- Abhängigkeit von einer Plattform
- Akzeptanz bei Nutzern – Werbung im Chat ist neu und sensibel
Gerade deshalb ist ein sauberer Test-Setup entscheidend.
Fazit: Großer Hebel mit klaren Spielregeln
Werbung in ChatGPT ist kein klassischer Ads-Kanal, sondern ein konversationsbasierter Performance-Touchpoint. Die Kombination aus hoher Nutzerintention, Kontext-Relevanz und direkter Kaufmöglichkeit (via Shopify) macht das Modell besonders spannend – vor allem für E-Commerce.
Gleichzeitig müssen Unternehmen genau rechnen: Werbekosten + Plattformgebühren + 4 % Umsatzbeteiligung müssen am Ende profitabel sein.
Wer das früh testet, datengetrieben optimiert und klare Use Cases definiert, kann sich hier einen echten Wettbewerbsvorteil sichern.
Die Frage ist also nicht, ob ChatGPT Ads relevant werden – sondern für wen und wie früh man einsteigt.


